Gesunde Arbeit macht Unternehmen attraktiver

Gesunde und sichere Arbeitsbedingungen sind mehr als gesetzliche Pflicht. Der aktuelle IGA-Report zeigt: Werden Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz systematisch umgesetzt, stärken sie nachweislich die Arbeitgeberattraktivität – insbesondere über bessere Führung, Kultur und Arbeitsbedingungen.

Der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen, ihre Attraktivität als Arbeitgeber kritisch zu hinterfragen. Neben Gehalt, Karrierechancen oder Arbeitsplatzsicherheit rücken zunehmend „weiche“ Faktoren in den Fokus: Wertschätzung, Führung, Teamklima – und die Frage, wie ernst es ein Unternehmen mit der Gesundheit und Sicherheit seiner Beschäftigten meint.

Der neue Report der Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) „Gesunde, sichere Arbeit – ein Schlüssel für die Arbeitgeberattraktivität?“ kommt zu einem klaren Ergebnis: Systematisch verankerte Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) und des Arbeitsschutzes stehen in einem positiven Zusammenhang mit der Arbeitgeberattraktivität – und zwar sowohl aus Sicht potenzieller Bewerbender als auch aus Sicht der bestehenden Belegschaft.

Mehr als ein Obstkorb

Arbeitgeberattraktivität beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden. In der Forschung werden drei Kategorien von Attraktivitätsfaktoren unterschieden:

  • transaktionale Merkmale wie Gehalt, Arbeitsplatzsicherheit und Arbeitsbedingungen
  • relationale Merkmale wie Führung, Teamklima und Unternehmenskultur
  • ideelle Merkmale wie Werte, Nachhaltigkeit oder gesellschaftliche Verantwortung

Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz wirken auf alle drei Ebenen – besonders stark jedoch auf die relationalen Faktoren.

Positive Effekte auf Zufriedenheit und Bindung

Die Literaturauswertung im Report zeigt: Maßnahmen der BGF und des Arbeitsschutzes stehen konsistent mit zentralen Indikatoren der Arbeitgeberattraktivität in Zusammenhang – insbesondere mit Arbeitszufriedenheit und affektivem Commitment, also der emotionalen Bindung an das Unternehmen.

Beschäftigte in Unternehmen mit proaktivem Sicherheits- und Gesundheitsmanagement berichten häufiger von höherer Zufriedenheit und stärkerer Verbundenheit. Gleichzeitig sinkt die Wechselabsicht. Besonders wirksam sind Maßnahmen, wenn sie nicht isoliert, sondern als Teil eines Gesamtkonzepts umgesetzt werden.

Allerdings: Im Vergleich zu Gehalt oder Jobsicherheit werden Gesundheitsangebote allein selten als Top-Faktor genannt. Ihre Wirkung entfalten sie vor allem indirekt – über bessere Führung, Kultur und Arbeitsbedingungen.

Praxisblick: Führung als Schlüssel

In Interviews mit Verantwortlichen aus acht Unternehmen verschiedener Branchen wurde deutlich, wo die größten Hebel liegen. Sowohl BGF als auch Arbeitsschutz haben aus Sicht der Befragten den stärksten Einfluss auf:

  • Arbeitsbedingungen und -umfeld
  • Führungskultur
  • Image und Reputation des Unternehmens
  • Team- und Betriebsklima

Entscheidend ist dabei die Rolle der Führungskräfte. Sie fungieren als Vorbilder, Multiplikatoren und Umsetzungsverantwortliche. Gesundheitsorientierte Führung, transparente Kommunikation und echte Beteiligung der Beschäftigten gelten als zentrale Erfolgsfaktoren. Wo Maßnahmen sichtbar, glaubwürdig und strategisch verankert sind, stärken sie das Vertrauen in die Organisation – ein Kernelement attraktiver Arbeitgeber.

Quantitative Ergebnisse: Systematik zahlt sich aus

In einer bundesweiten Panelbefragung von 1.847 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wurde das entwickelte Leitmodell empirisch überprüft. Das Ergebnis:

Systematische Maßnahmen der BGF und des Arbeitsschutzes stehen in einem signifikant positiven Zusammenhang mit der Bewertung der Arbeitgeberattraktivität. Dieser Zusammenhang bleibt auch bestehen, wenn klassische Attraktivitätsfaktoren wie Gehalt, Karrierechancen oder Arbeitsplatzsicherheit statistisch berücksichtigt werden.

Besonders stark fällt der Effekt aus, wenn:

  • die Umsetzung gut kommuniziert wird
  • Beschäftigte beteiligt werden
  • Führungskräfte die Maßnahmen aktiv unterstützen
  • eine hohe organisationale Veränderungsbereitschaft wahrgenommen wird

Mit anderen Worten: Nicht die Einzelmaßnahme entscheidet, sondern Qualität, Passung und konsequente Integration in die Unternehmensstrategie.

Fazit

Gesunde und sichere Arbeit ist kein „Nice-to-have“, sondern ein strategischer Wettbewerbsfaktor. Wer BGF und Arbeitsschutz als integriertes Gesamtkonzept versteht, stärkt nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten, sondern auch die Arbeitszufriedenheit, die emotionale Bindung, die Weiterempfehlungsbereitschaft und die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber. Der IGA-Report 49 zeigt damit: Prävention wirkt – nicht nur im Sinne geringerer Unfall- und Krankheitszahlen, sondern auch als Baustein einer zukunftsfähigen Arbeitgebermarke. Investitionen in systematische Prävention sind Investitionen in die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

Den IGA-Report gibt es hier als Download: www.iga-info.de/veroeffentlichungen/igareporte/igareport-49

Ein Artikel von
Redaktion Prävention aktuell

27. Februar 2026