Arbeitsschutz stärkt Krisenfestigkeit

Die Zahl der Arbeitsunfälle sinkt weiter. Das geht einher mit einer klaren Haltung in den Betrieben, wie das DGUV Barometer Arbeitswelt 2026 zeigt: Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz gelten als Schlüssel für resiliente Unternehmen.

Die Zahl der Arbeitsunfälle in Deutschland ist erneut gesunken. Nach vorläufigen Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gab es im Jahr 2025 rund 730.600 meldepflichtige Arbeitsunfälle, etwa 24.000 weniger als im Vorjahr. 335 Menschen verloren bei der Arbeit ihr Leben, auch hier ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen.

Diese Entwicklung fällt zusammen mit einer klaren Haltung in den Betrieben: Neun von zehn Beschäftigten und Führungskräften sind überzeugt, dass Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit die Krisenfestigkeit Deutschlands stärken. Das zeigt das DGUV Barometer Arbeitswelt 2026, eine repräsentative Befragung von Erwerbstätigen.

Hohe Zustimmung für Prävention

Besonders hoch ist die Zustimmung zur Prävention: 90 Prozent der Befragten sehen in ihr einen entscheidenden Faktor für stabile Unternehmen. Konkrete Maßnahmen wie gut ausgebildete Ersthelfer (94 Prozent), Brandschutzhelfer (84 Prozent) und Sicherheitsbeauftragte (84 Prozent) gelten als zentral. Auch Führungskräfte tragen diese Haltung mit – vor allem aus einem klaren Motiv heraus: 94 Prozent wollen ihren Beschäftigten ermöglichen, gesund bis zur Rente zu arbeiten.

Für DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stephan Fasshauer ist das ein deutliches Signal: „Prävention ist kein Extra, sondern die Grundlage dafür, dass Betriebe auch unter Druck gut funktionieren“. Arbeitsschutz verhindere nicht nur Unfälle und Erkrankungen, sondern stärke auch die Stabilität von Wirtschaft und Gesellschaft.

Krisenvorsorge ist ausbaufähig

Allerdings zeigt das Barometer auch Lücken bei der Krisenvorsorge. Während sich viele Unternehmen gut auf Pandemien, Brände oder Cyberangriffe vorbereitet sehen, gilt das deutlich seltener für Szenarien wie Lieferkettenstörungen, Naturkatastrophen oder längere Stromausfälle. Besonders kleinere Betriebe haben hier Nachholbedarf.

Zwar halten 89 Prozent Präventionsmaßnahmen für wichtig, um Krisen zu bewältigen – doch nur etwa die Hälfte der Befragten berichtet von konkreten Notfall- und Krisenplänen im eigenen Unternehmen. Häufig genannt werden Schulungen und Übungen, etwa in Erster Hilfe oder im Brandschutz, sowie IT-Sicherheitsmaßnahmen.

Fasshauer betont die gesellschaftliche Dimension: „Als Gesellschaft entdecken wir gerade wieder, wie wichtig die Themen Krisenvorsorge und Prävention sind.“ Entscheidend sei eine gelebte Sicherheitskultur – mit klaren Abläufen und geschultem Personal. „Krisenfestigkeit beginnt auch am Arbeitsplatz“, so Fasshauer. „Mit Strukturen, die im Ernstfall sofort wirken.“ Ihr Wissen würden Sibe, Ersthelfer und Co. mit in den Alltag, ins Ehrenamt, ins Private nehmen. „So wird nachhaltige Krisenkompetenz auch in die Breite getragen.“

Unfallrisiken und Belastungen

Das DGUV Barometer liefert weitere Erkenntnisse. Größtes Unfallrisiko bleibt demnach das klassische Thema Stolpern, Rutschen, Stürzen (SRS), mehr als die Hälfte der Befragten gab das an. Etwa jeder Fünfte sieht Gefährdungen durch den Umgang mit Werkzeugen oder Maschinen. 22 Prozent sehen Unfallrisiken durch Bedrohung, Übergriffe oder Gewalt. Auffällig: Besonders häufig nannten Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in Bildungseinrichtungen dieses „Unfallrisiko“.

Als Belastungen empfindet die Hälfte der Befragten Stress durch organisatorische Faktoren wie häufige Unterbrechungen, hohe Arbeitsintensität oder unklare Zuständigkeiten genannt. In eine ähnliche Richtung gehen Belastungen, die sich aus den Arbeitsinhalten und -aufgaben (zum Beispiel fehlende Handlungsspielräume und Informationen) oder sozialen Beziehungen (fehlende Unterstützung, mangelnde Anerkennung) ergeben. Jeweils etwa ein Drittel der Umfrageteilnehmer gab dies an.

Zukunftsrisiken Psyche und Demografie

Für die Zukunft erwarten viele vor allem Risiken erhöhte psychische Belastung (60 Prozent), veränderte Altersstrukturen (48 Prozent) und Cyberangriffe (45 Prozent). Dass Gefährdungen durch klimatische Veränderungen wachsen, glauben insbesondere Beschäftigte im Baugewerbe. Steigende Risiken durch Künstliche Intelligenz erwarten vor allem Beschäftigte im Finanz- und Versicherungssektor.

Ein Artikel von
Redaktion Prävention aktuell

9. April 2026

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Wissen