Mehr Freiheit, aber auch mehr Intensität

PC, Smartphone und Tablet gehören für viele Beschäftigte selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Digitale Arbeitsmittel können Handlungsspielräume eröffnen – zugleich kann ihre intensive Nutzung mit einer höheren Arbeitsintensität einhergehen.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat untersucht, wie sich Handlungsspielräume und die erlebte Arbeitsintensität danach unterscheiden, wie häufig Beschäftigte digitale Endgeräte bei der Arbeit nutzen. Der Befund ist nicht eindimensional: Häufigere Nutzung geht mit größeren Handlungsspielräumen einher, zugleich aber auch mit höherer Arbeitsintensität.

Für die betriebliche Praxis ist diese Kombination interessant. Sie spricht dagegen, digitale Technik pauschal als Entlastung oder Belastung zu betrachten. Vielmehr lohnt der Blick darauf, unter welchen Arbeitsbedingungen die Geräte eingesetzt werden und welche Anforderungen damit verbunden sind.

Handlungsspielräume können Beschäftigten ermöglichen, ihre Arbeit eigenständiger zu organisieren. Eine hohe Arbeitsintensität kann dagegen zur Belastung werden. Treffen beide Merkmale zusammen, stellt sich für Betriebe deshalb die Frage, ob die zusätzlichen Spielräume ausreichen, um mit steigenden Anforderungen gut umgehen zu können.

Wirkung hängt von Tätigkeit und Organisation ab

Damit rückt die Arbeitsgestaltung in den Mittelpunkt. Digitalisierung verändert nicht nur technische Abläufe. Sie kann auch beeinflussen, wie schnell Informationen verarbeitet werden, wie Arbeitsaufgaben organisiert sind und welchen zeitlichen Anforderungen Beschäftigte ausgesetzt sind. Die konkrete Wirkung hängt von Tätigkeit und betrieblicher Organisation ab.

Die BAuA-Ergebnisse liefern allerdings keinen Beleg für die einfache These, digitale Arbeit mache krank. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, dass häufigere Nutzung digitaler Endgeräte unmittelbar zu höheren krankheitsbedingten Fehlzeiten führt. Belastbar ist die Beobachtung, dass die Nutzung digitaler Arbeitsmittel mit einer veränderten Kombination aus Handlungsspielräumen und Arbeitsintensität verbunden sein kann.

Gerade diese Gleichzeitigkeit ist für Betriebe relevant. Wer Digitalisierung ausschließlich als Technik- oder Effizienzprojekt betrachtet, kann Veränderungen der Arbeitsbedingungen übersehen. Umgekehrt wäre es ebenso verkürzt, eine häufige Nutzung von Smartphone, Tablet oder PC für sich genommen als Belastungsproblem zu behandeln.

Blick auf die Arbeitssituation lohnt

Sinnvoll ist deshalb der Blick auf konkrete Arbeitssituationen: Wie intensiv wird gearbeitet? Welche Handlungsspielräume bestehen? Welche Anforderungen entstehen durch die Organisation der Arbeit? Und verändern digitale Werkzeuge diese Bedingungen?

Für Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Führungskräfte liefert das Faktenblatt damit vor allem einen Impuls zur Arbeitsgestaltung. Die entscheidende Frage lautet nicht allein, wie viel digitale Technik eingesetzt wird. Wichtiger ist, unter welchen Bedingungen Beschäftigte damit arbeiten.

Die zentrale Erkenntnis: Digitale Arbeitsmittel sind weder Belastung noch Entlastung an sich. Der aktuelle BAuA-Befund zeigt vielmehr ein Spannungsfeld zwischen Handlungsspielraum und Arbeitsintensität. Genau dieses Spannungsfeld sollten Betriebe im Blick behalten, wenn sie digitale Arbeit gestalten.

Faktenblatt zum Download

Das Faktenblatt „PC, Smartphone und Co. im Arbeitsalltag“ gibt es auf der Webseite der BAuA zum Download.

Ein Artikel von
Redaktion Prävention aktuell

16. September 2026

Kategorie

Wissen