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Chef werden ja – ausbrennen nein
Junge Führungskräfte

Bild: AdobeStock / Who-is-Danny
Auch in der jungen Generation streben Talente nach Führungspositionen. Doch sie möchten dabei nicht in die Burnout-Falle tappen. Dafür braucht es neue Strategien.
Text: Michaela Schenker
AUF DEN PUNKT:
- Junge Beschäftigte übernehmen Führung eher, wenn Belastung, Verantwortung und Privatleben vereinbar bleiben
- Gesunde Führung braucht Selbstfürsorge, Delegation und Erholung
- Unternehmen müssen passende Rahmenbedingungen schaffen
Lange galt eine Führungsposition als das große Karriereziel. Doch viele junge Talente schauen heute genauer hin: Sie sehen Vorgesetzte, die permanent unter Druck stehen, kaum abschalten können und zwischen Krisen, Meetings und Verantwortung aufgerieben werden. Gleichzeitig suchen Unternehmen händeringend nach Führungskräfte-Nachwuchs.
Das Verständnis von Leadership verändert sich derzeit grundlegend. Junge Führungskräfte wollen nicht weniger Verantwortung übernehmen. Aber sie wollen verhindern, dass Erfolg automatisch mit Dauerstress und Selbstaufgabe verbunden ist.
Führung darf nicht zum Gesundheitsrisiko werden
Wer Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und beruflich aufsteigen wollte, strebte häufig eine entsprechende Rolle an. Eine Führungsposition war somit der selbstverständliche nächste Karriereschritt. Heute fällt die Entscheidung vielen Nachwuchskräften schwerer. Der Grund dafür ist nicht mangelnder Ehrgeiz, sondern die Realität, die sie im Arbeitsalltag beobachten.
Viele erleben Vorgesetzte, die dauerhaft unter Druck stehen, zwischen zahlreichen Aufgaben wechseln und kaum Möglichkeiten finden, abzuschalten. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, dass Führungsverantwortung zwangsläufig mit Überlastung verbunden ist. Gleichzeitig vermitteln soziale Medien oft ein unrealistisches Bild von Karriere. Sowohl diese Beobachtungen als auch die Darstellungen in sozialen Medien greifen jedoch zu kurz.
Tatsächlich gehören anspruchsvolle Aufgaben, Verantwortung und intensive Arbeitsphasen zur Führung dazu. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass die eigene Gesundheit leiden muss. Vielmehr zeigt sich zunehmend, dass beruflicher Erfolg und ein ausgeglichenes Leben kein Widerspruch sein müssen. Entscheidend ist, wie Führung gestaltet und mit Belastungen umgegangen wird.
Selbstfürsorge und Resilienz als Führungsaufgabe
In erster Linie liegt die Verantwortung für die Gesundheit der Beschäftigten bei den Unternehmen. Sie sollten Rahmenbedingungen schaffen, die gesundes Führen ermöglichen, und Nachwuchskräfte frühzeitig dabei unterstützen, ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken. Nur wenn Führung als anspruchsvolle, aber gesund gestaltbare Aufgabe wahrgenommen wird, bleibt sie für junge Talente attraktiv.
Wer langfristig Verantwortung übernehmen möchte, benötigt neben fachlicher Kompetenz aber auch selbst die Fähigkeit, mit Druck und Unsicherheit gesund umzugehen. In diesem Zusammenhang gewinnt Resilienz zunehmend an Bedeutung. Sie wird häufig mit der Fähigkeit verwechselt, möglichst viel auszuhalten. Tatsächlich beschreibt sie jedoch die Fähigkeit, auch in belastenden Situationen handlungsfähig zu bleiben und nach stressreichen Phasen wieder in die Balance zurückzufinden.
Selbstfürsorge ist dabei kein Zeichen mangelnder Leistungsbereitschaft, sondern eine wichtige Voraussetzung für nachhaltige Leistungsfähigkeit. Führungskräfte, die ihre eigenen Grenzen kennen, Erholung bewusst einplanen und Warnsignale ernst nehmen, schaffen die Grundlage dafür, auch langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben.
Prävention beginnt lange vor gesundheitlichen Folgen. Entscheidend sind Gewohnheiten, die gesundes Arbeiten fördern, etwa realistische Prioritäten und regelmäßige Erholungsphasen. Gerade junge Führungskräfte profitieren davon, diese Kompetenzen früh aufzubauen.
Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, Verantwortung zu teilen. Wer versucht, jede Entscheidung selbst zu treffen und alle Prozesse zu kontrollieren, erhöht das Risiko einer Überlastung. Erfolgreiche Führung bedeutet deshalb auch, Aufgaben zu delegieren, Vertrauen aufzubauen und Beschäftigten Gestaltungsspielräume zu geben.
Eine wichtige Vorbildfunktion
Führungskräfte prägen nicht nur Ergebnisse, sondern auch die Kultur eines Unternehmens. Beschäftigte orientieren sich häufig daran, welches Verhalten ihre Vorgesetzten vorleben. Wer dauerhaft erreichbar ist, Überstunden als Normalität betrachtet oder Erschöpfung als Zeichen besonderer Leistungsbereitschaft vermittelt, setzt entsprechende Maßstäbe für das gesamte Team.
Die Vorbildfunktion gewinnt angesichts zunehmender psychischer Belastungen weiter an Bedeutung. Mitarbeitende beobachten genau, wie Führungskräfte mit Stress, Fehlern oder hoher Arbeitsbelastung umgehen. Wer offen mit Herausforderungen umgeht, trägt dazu bei, Gesundheit als selbstverständlichen Teil des Arbeitsalltags zu etablieren.
Die Autorin:
Michaela Schenker ist Mitgründerin des Schweizer Start-ups „Mind Switch“ und Entwicklerin der patentierten „Mind Switch“-Methode. Seit mehr als 27 Jahren arbeitet sie als Executive Coach mit Führungskräften und Projektleitern bei der Wahrnehmung und Verarbeitung von Stress. Ihre Methode stärkt die Resilienz und setzt an den unbewussten Stressmustern im Gehirn an.