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Nachhaltigkeit – mehr als eine Pflicht
Systematisch mit ISO-Standards

KI-generiertes Bild: Adobe Stock / Dream Studio
Die EU wollte Unternehmen mit der CSRD-Richtlinie zu mehr Transparenz bei Nachhaltigkeit verpflichten. Nach massiver Kritik aus der Wirtschaft lockert das Omnibus-Paket die Regeln deutlich. Nachhaltigkeit bleibt trotzdem ein strategisches Thema.
Text: Holger Toth (Redaktion)
AUF DEN PUNKT:
- Die EU lockert mit dem Omnibus-Paket die CSRD-Berichtspflichten deutlich
- Viele mittelständische Unternehmen fallen aus der Pflicht heraus
- ISO-Standards bleiben dennoch strategisch relevant
Während Politik und Investoren mehr Transparenz über Klima-, Umwelt- und Sozialstandards fordern, warnen Wirtschaftsverbände seit Jahren vor wachsender Bürokratie und zusätzlichem Aufwand. Besonders die europäische Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), wird von vielen Unternehmen sehr kritisch gesehen.
Dabei war das Ziel der Europäischen Union klar: Unternehmen sollten offenlegen, welche Auswirkungen ihr wirtschaftliches Handeln auf Umwelt, Beschäftigte und Gesellschaft hat. Nachhaltigkeitsberichte sollten dadurch vergleichbarer und verbindlicher werden.
Die CSRD wurde Ende 2022 von der EU beschlossen und trat Anfang 2023 in Kraft. Vorgesehen war ursprünglich eine schrittweise Einführung der Berichtspflichten ab dem Geschäftsjahr 2024. Die Richtlinie hätte auch bereits in deutsches Recht überführt sein sollen. Doch das komplizierte Gesetzgebungsverfahren und der Bruch der Ampel-Koalition Ende 2024 verhinderten dies. Dadurch herrscht für viele Unternehmen weiterhin Unsicherheit darüber, welche Berichtspflichten künftig konkret gelten werden.
Omnibuspaket senkt Schwellenwerte
Mit dem sogenannten Omnibus-Paket, das Anfang 2026 auf europäischer Ebene verabschiedet wurde, will die EU-Kommission Unternehmen entlasten und regulatorische Vorgaben vereinfachen. Die ursprüngliche Regelung sah eine Berichtspflicht für Unternehmen vor, die mindestens zwei von drei Kriterien erfüllen: mehr als 250 Beschäftigte und mehr als 50 Millionen Euro Nettoumsatz oder mehr als 25 Millionen Euro Bilanzsumme. Jetzt greift die Berichtspflicht erst bei mehr als 1.000 Mitarbeitern und einem Nettoumsatz von mehr als 450 Millionen Euro.
Die neuen Regelungen müssen nun von den Mitgliedstaaten in nationales Recht übertragen werden. Unternehmen, die künftig noch unter die CSRD fallen, müssten voraussichtlich ab den Geschäftsjahren 2027 oder 2028 nach den angepassten Vorgaben berichten. Viele ursprünglich betroffene Unternehmen fallen damit wieder aus der direkten Berichtspflicht heraus.
Ganz vom Tisch ist das Thema Nachhaltigkeit dennoch nicht. Kunden, Banken und Auftraggeber verlangen weiterhin belastbare Informationen zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen.
Nachhaltigkeit als Teil der Unternehmensstrategie
Dass Unternehmen Nachhaltigkeit nicht allein als regulatorische Pflicht verstehen müssen, zeigt das Logistikunternehmen Craiss Generation Logistik aus Mühlacker. Mit rund 1.000 Beschäftigten (Eigenangabe) und einem Jahresumsatz von geschätzten 91 Millionen Euro (Quelle: www.die-deutsche-wirtschaft.de) wäre das Unternehmen nach den ursprünglichen CSRD-Regeln voraussichtlich berichtspflichtig geworden. Nach den geplanten Erleichterungen des Omnibus-Pakets dürfte dies jedoch nicht mehr der Fall sein.
Dennoch setzt Craiss auf standardisierte Managementsysteme und freiwillige Zertifizierungen. Das Unternehmen kombiniert dabei mehrere internationale ISO-Standards in einem integrierten Managementsystem – darunter Qualitätsmanagement (ISO 9001), Umweltmanagement (ISO 14001), Arbeits- und Gesundheitsschutz (ISO 45001), Informationssicherheit (ISO 27001) sowie Energiemanagement (ISO 50001).
Für Craiss sind die Zertifizierungen nach eigenen Angaben mehr als formale Nachweise. Sie sollen helfen, Prozesse transparenter zu gestalten, Risiken zu minimieren und Ressourcen effizienter einzusetzen.
„Unsere Zertifizierungen spiegeln unseren täglichen Anspruch wider, Ressourcen effizient einzusetzen, Risiken zu minimieren und gleichzeitig die Zufriedenheit unserer Kunden und Mitarbeitenden zu sichern“, erklärt Pascal Mroncz, Teamleiter Nachhaltigkeit bei Craiss.
Prävention systematisch verankern
Gerade die ISO 45001 zeigt dabei, wie eng Nachhaltigkeit und Prävention inzwischen zusammenhängen. Der Standard fordert unter anderem systematische Gefährdungsbeurteilungen, klare Verantwortlichkeiten sowie präventive Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz.
Bei Craiss gehören dazu standardisierte Prozesse ebenso wie Schulungsangebote für Beschäftigte. Kurze Lernvideos sollen Sicherheits- und Qualitätsstandards im Arbeitsalltag verständlich vermitteln.
Sarah Pflüger, Qualitätsmanagerin und Nachhaltigkeitsverantwortliche bei Craiss, sieht darin einen wichtigen Erfolgsfaktor: „Nur wenn alle verstehen, warum bestimmte Standards wichtig sind, können wir sie mit Leben füllen und kontinuierlich verbessern.“
Nachhaltigkeit ist mehr als Klimaschutz
Der Ansatz zeigt: Nachhaltigkeit beschränkt sich nicht auf Klimaschutz oder CO₂-Bilanzen. Sie betrifft auch Organisationskultur, Mitarbeiterbeteiligung und resiliente Prozesse.
Auch wenn die regulatorischen Anforderungen abgeschwächt werden, bleibt Nachhaltigkeit für Unternehmen ein strategisches Thema. Die Erfahrungen von Craiss zeigen, dass standardisierte Managementsysteme helfen können, Nachhaltigkeit im operativen Alltag zu verankern – nicht nur als Berichtspflicht, sondern als Instrument für robustere und transparentere Prozesse.
